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Cornerstone & Marktwissen

Die wichtigsten Kennzahlen für Immobilien-Investments

Bruttorendite, Kaufpreisfaktor, Cashflow, Tilgungsleistung — was sie wirklich bedeuten und wie du sie liest.

Öffentlich lesbar

Wer Immobilien als Kapitalanlage prüft, stolpert in jedem Inserat und jeder Maklergespräch über die gleichen Begriffe: Bruttorendite, Faktor, Cashflow, Tilgungsleistung. Wer sie versteht, trifft bessere Entscheidungen — und lässt sich nicht von Verkäufer-Sprech beeindrucken.

Hier ist die kurze, klare Version. Keine Mathematik-Vorlesung — nur das, was du beim nächsten Inserat brauchst.

Bruttomietrendite

Jahresmiete ÷ Kaufpreis × 100

Die wichtigste Kennzahl im Inserat. Sagt: wie viel Prozent vom Kaufpreis kommen pro Jahr als Miete rein, vor allen Kosten.

Konkretes Beispiel:

  • Kaufpreis: 300.000 €
  • Jahresmiete: 12.000 €
  • Bruttorendite: 4 %

Orientierung 2026:

  • 3 % oder darunter — typisch für A-Lagen (München, Hamburg). Substanz und Wertentwicklung schlagen Cashflow.
  • 4–5 % — gesunder Korridor in B-Städten (Leipzig, Dresden, Hannover). Beides funktioniert: stabile Miete, vertretbarer Kaufpreis.
  • 6 % oder darüber — meist Sanierungsfall, schwacher Standort oder versteckte Risiken. Wer hier nicht genau hinschaut, kauft Ärger.

Wichtig: Bruttorendite sagt nichts über Kosten. Hausgeld, Instandhaltung, Verwaltung und Annuität fehlen komplett. Es ist eine erste Hausnummer, nicht die Entscheidungs­grundlage.

Kaufpreisfaktor (KPF)

Kaufpreis ÷ Jahresmiete

Der Kehrwert der Bruttorendite. Wird im Maklerjargon oft als „Faktor 22" oder „24-fach" genannt.

| Faktor | Bruttorendite | |---|---| | 20 | 5,0 % | | 22 | 4,5 % | | 25 | 4,0 % | | 30 | 3,3 % | | 33 | 3,0 % |

Beide Größen sind identische Information in unterschiedlicher Sprache. Wähle eine und sei konsistent — Faktor ist schneller im Kopf, Rendite ist transparenter für Externe.

GIK (Gesamtinvestitionskosten)

Kaufpreis + Kaufnebenkosten + ggf. Renovierungsbudget

Die echte Investition. Kaufnebenkosten:

  • Grunderwerbsteuer: 3,5–6,5 % je nach Bundesland
  • Notar + Grundbuch: ~1,5–2 %
  • Maklercourtage: 0–3,57 % (seit 2020 gesetzlich gedeckelt)

Summe: zwischen 5 % und 12 % des Kaufpreises, je nach Konstellation.

Beispielrechnung für Berlin (6 % Grunderwerb, 2 % Notar, 3,57 % Makler):

  • Kaufpreis: 300.000 €
  • Nebenkosten: 11,57 % = 34.710 €
  • GIK: 334.710 €

Die Rendite auf GIK ist immer niedriger als die im Inserat angegebene Bruttorendite. In diesem Fall: 12.000 / 334.710 ≈ 3,58 % statt 4 %.

Wenn ein Makler von „4 % Brutto­rendite" spricht, meint er fast immer Bruttorendite auf reinen Kaufpreis — nicht auf GIK. Wer mit GIK rechnet, ist ehrlicher mit sich selbst.

Cashflow

Mieteinnahmen − Hausgeld − Verwaltung − Annuität

Was am Monatsende wirklich übrig bleibt (vor Steuern).

Konkretes Beispiel:

  • Mieteinnahmen monatlich: 1.000 €
  • Hausgeld (umlagenfähiger Anteil): 200 €
  • Verwaltung: 30 €
  • Annuität (Zins + Tilgung): 750 € (4,5 % Zins, 2 % Tilgung auf 250.000 € Finanzierung)
  • Cashflow: +20 €

Was bedeutet das?

  • Positiver Cashflow = das Objekt verdient sich selbst. Du kannst die Rate aus den Mieteinnahmen begleichen, ohne aus eigener Tasche zu schießen.
  • Negativer Cashflow = du subventionierst die Bank monatlich. Funktioniert nur, wenn Wertentwicklung und Tilgungsleistung den Verlust mehr als ausgleichen.

Faustregel: positiver Cashflow nach Steuern ist ein realer Vorteil. Negativer Cashflow lässt sich rechtfertigen — aber kalkuliere konservativ und nimm nicht die letzten zehn Boom-Jahre als Maßstab.

Tilgungsleistung

Tilgungsanteil der Annuität × 12 (pro Jahr)

Oft unterschätzte Kennzahl. Während du Cashflow nahe Null hast, baut die Tilgung Vermögen auf — die Bank wird Stück für Stück kleiner, dir gehört ein größerer Teil der Wohnung.

Beispiel:

  • Finanzierung: 250.000 €
  • Zinssatz: 4,5 %
  • Anfangstilgung: 2 %
  • Annuität: 16.250 € / Jahr
  • Davon Zinsen Jahr 1: 11.250 €
  • Tilgung Jahr 1: 5.000 €

In Worten: du baust 5.000 € im ersten Jahr Eigenkapital auf — auch wenn der Cashflow Null ist. Über 10 Jahre summiert sich das auf rund 60.000–70.000 € (Tilgung steigt mit jedem Jahr, weil weniger Zinsen anfallen).

Wie alles zusammenhängt

Eine reale Akquise-Entscheidung ist nie ein einziger Wert. Sie ist ein Kompromiss:

  • Bruttorendite sagt dir, ob die Hausnummer im Inserat in der Nähe deiner Strategie liegt
  • GIK + Nebenkosten verfeinern das Bild
  • Cashflow zeigt, ob du das Objekt monatlich verkraftest
  • Tilgungsleistung zeigt, wie viel Vermögen real entsteht

Wer nur auf einen Wert schaut, kauft falsch.

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